Nachhaltige Banken im Interview – Dieses Mal: Die Bank für Kirche und Diakonie eG

22.01.2020 Dortmund , KD Bank . Foto: Andreas Buck

Im Interview mit Stefan Brenken, Experte für nachhaltige Geldanlagen bei der Bank für Kirche und Diakonie. Nachdem wir die Bank schon einmal im Jahr 2020 interviewt haben, wollten wir nun von Herrn Brenken unter anderem wissen, welche Rolle die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung für sein Geldinstitut spielen.

BOERSE-N.de: Im Juli 2020 haben wir Sie bereits zum Thema Nachhaltigkeit allgemein interviewt. Was hat sich bei Ihnen seitdem in Sachen Nachhaltigkeit getan? (hier geht es zum Interview aus 2020 zum Thema Nachhaltigkeit bei der KD Bank)

STEFAN BRENKEN: Als christlich orientierte Bank ist Nachhaltigkeit und die weitere Entwicklung zentral.

Der gesamte Markt hat sich in Sachen Nachhaltigkeit stark weiterentwickelt. Das Thema ist im Mainstream angekommen, das begrüßen wir sehr. Für unser Haus möchte ich ein besonderes Projekt hervorheben: Im Rahmen der ganzheitlich nachhaltigen Strategie der KD-Bank ist im Mai 2021 in Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe und weiteren Partnern ein neuer Investmentfonds, der KinderZukunftsFonds, entstanden. Eine Investition erfolgt ausschließlich in Unternehmen, die ihre Rolle für die Achtung der Kinderrechte anerkennen. Ein Schwerpunkt liegt auf Unternehmen, die ihren Gestaltungsfreiraum im Positiven nutzen und Bedingungen schaffen, die die Zukunft von Kindern verbessern. Wir fördern aktiv die Teilhabe von Jungen und Mädchen und freuen uns, dass an dem Kriterienkatalog ein Jugendbeirat mit jungen Menschen aus dem Kindernothilfe-Umfeld und unseren Auszubildenden mitwirkt, das ist meines Wissens ein echtes Novum.

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Für welche Kundengruppen ist die KD-Bank die richtige Ansprechpartnerin?
Wir richten uns an Einrichtungen und Institutionen aus Kirche, Diakonie und Sozialwirtschaft sowie Stiftungen bundesweit. Privatkunden, die unsere christlichen Werte teilen, sind herzlich willkommen.

Die Beratung bei der Geldanlage muss durch eine neue EU-Richtlinie mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Wie sieht das bei Ihnen im Hause aus?

Alle Anleger/-innen sind seit Anfang August 2022 aufgefordert, ihre Nachhaltigkeitspräferenzen abzugeben. Kunden, denen die Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte bei der Vermögensanlage wichtig ist, dürfen nur „nachhaltige“ Anlagelösungen empfohlen werden. Ein notwendiger und wichtiger Schritt, der eine ethisch-nachhaltige Auseinandersetzung mit der Vermögensanlage aktiv anstößt.

Bei uns hat sich durch die neue EU-Richtlinie wenig geändert. Wir fragen unsere Kunden seit vielen Jahren nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen. Neu ist, dass seit Anfang August die standardisierten Fragen der EU-Richtlinie in unseren Beratungsprozess integriert wurden und nun die Basis für unsere Nachhaltigkeitsberatung bilden. Unsere Kunden erwarten allerdings eine differenzierte und vollumfängliche Beratung zu nachhaltigen Geldanlagen, die über die gesetzlichen Regelung hinaus geht.

Darüber hinaus: Der Kampf gegen den Klimawandel und die sozialen Auswirkungen kann nur durch einen globalen Schulterschluss gelingen. In dieser Hinsicht wäre nach unserer Einschätzung wünschenswert, eine international verbindliche Berichtspflicht für alle Anlagelösungen einzuführen: nicht nur nachhaltig eingestufte Produkte sollten offenlegen, worin ihre positive Wirkung besteht, sondern auch nicht nachhaltige eingestufte Produkte sollten berichten, welchen Schaden sie für die Umwelt und die Gesellschaft verursachen. Erst wenn alle Produkte einem international einheitlichen Berechnungsstandard folgen und relevante Kennzahlen, wie den CO2-Ausstoß, offenlegen, besteht für die Verbraucher/-innen die Möglichkeit eines objektiven Vergleichs und die Chance, das positive wie das negative Ausmaß ihrer Investitionen zu realisieren.

Was erwarten Ihre Kunden von Ihnen beim Thema nachhaltige Geldanlage? Können Sie uns einmal ein paar typische Kundenfragen nennen, die Ihnen im Alltag immer wieder gestellt werden?

Unsere Kunden möchten beispielweise wissen, ob die Kriterien des Leitfadens für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche eingehalten werden. Oder unsere Kunden fragen, ob Investitionen in Atom- oder Gaskraftwerke erfolgen, die von der EU-Kommission als nachhaltig eingestuft werden. Die Lücken in der Gesetzgebung, das Fehlen sozialer Aspekte oder die abweichende Einschätzung zu nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten beschäftigen unseren Kunden. Hier wünschen sie eine differenzierte und tiefergehende Einschätzung. Ihnen ist wichtig, Anlagelösungen zu erhalten, die ihre individuellen Nachhaltigkeitspräferenzen berücksichtigen und nicht nur den gesetzlichen Standard erfüllen.

Die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind top Themen der Gegenwart. Wie verbinden Sie diese beiden Themen miteinander?

Die Digitalisierung ist für unser Haus sehr wichtig. Als deutschlandweit agierende Spezialbank mit nur wenigen Filialen gehören schlanke, digitale Prozesse zu unserer DNA. Wir kommunizieren mit unseren Kunden seit jeher über verschiedene Kanäle und nutzen gerne die neuen Optionen, die sich durch die Digitalisierung ergeben. Hier möchte ich insbesondere unsere Videoberatung und unser Webinarangebot benennen, die sich spätestens durch die Coronapandemie auch bei vielen weniger digital affinen Menschen etabliert und nochmal deutlich an Beliebtheit zugenommen haben. Die Kostenvorteile, aber auch das Zeiteinsparpotenzial und nicht zuletzt die Ressourcenschonung wissen unsere Kunden zu schätzen.

Was bedeutet Digitalisierung für Sie bzw. welche digitalen Angebot haben Sie bzw. wie werden Sie sich beim Thema Digitalisierung in Zukunft noch aufstellen? Welche Angebot werden noch hinzu kommen und welche Themen werden Sie eventuell noch vertiefen bzw. perfektionieren?


Wir bieten ein breites Angebot an digitalen Anlagelösungen. So können interessierte Kunden selbstständig ab einer Mindestanlage von 500 EUR oder 25 EUR/Monat eine nachhaltige und vollständig digitale Vermögensverwaltung abschließen. Darüber hinaus bieten wir zwei weitere digitale, nachhaltige Vermögensverwaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ab 10.000 EUR bzw. 60.000 EUR an. Diese digitalen Anlagelösungen erfreuen sich einer großen Beliebtheit, da die Investitionen und Transaktionen transparent nachvollziehbar sind und die Beratungsleistung unserer Expertinnen und Experten individuell abgerufen werden kann.

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