Wasserstoff Stammtische in Hamburg

Barbara Makowka und Marcus Noack im Interview auf BOERSE-N.de

Die Gründerin von H2Gate Barbara Makowka im BOERSE-N.de-Interview. Seit 2004 gibt es den Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Stammtisch in Hamburg. Was die Gründe für die Gründung waren und wer sich bei den Stammtischen trifft und worüber dort gesprochen wird, all das hat uns Barbara Makowka im Interview erzählt.

INTERVIEW

BOERSE-N: Barbara, wer bist du und was machst du beruflich?

BARBARA MAKOWKA: Ich bin Barbara Makowka, seit über 26 Jahren glücklich verheiratet und habe zwei wundervolle Erwachsene Kinder. Ich bin fast immer gut gelaunt, liebe Reisen, Kochen, Sport…einfach Bewegung in meinem Leben. Mich reizt die Herausforderung, ich kann nicht stillsitzen, ich hinterfrage nicht zu viel, sondern ich mache einfach. Das kann mal gut gehen oder auch mal nicht. Powerfrau? Ja, vielleicht, aber meine absolute Stärke ist meine innere Ruhe. Einen kühlen Kopf behalten, komme was wolle, das bin ich. Ich liebe den Austausch mit Menschen und anderen Kulturen.

Seit 2 Jahren bin ich Geschäftsführerin der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Lv. Hamburg e.V., (SDW) ein Naturschutzverein, obwohl ich von Forstwirtschaft keine Ahnung habe. Ich bin aber interessiert und lerne gern dazu, das ist es was mit täglich antreibt.

Ein Traumjob, denn wir setzen uns täglich aktiv für den Naturschutz ein, bringen Kindern und Jugendlichen spielerisch das Verständnis für die Natur und deren Schutz bei, bieten diverse Fortbildungen im Bereich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) an und unterstützen Menschen aus Schwellen- und Entwicklungsländern mit unserer International Sustainability Academy (ISA), einem Stipendiat:innen-Programm.  

Erzähl mal etwas über deine berufliche Laufbahn, was hast du gelernt und was waren deine Stationen?

Nach dem BWL-Studium in Hamburg führte mich mein Weg nach Frankreich und England. Vom klassischen Consulting, Makler- und Brokertätigkeiten und Agenturinhaberin habe ich mich immer weiterentwickelt. Manchmal nicht wissend, wohin die Reise hingehen würde. Doch die erste Rio Konferenz 1992 hat mich geprägt, obwohl ich nie zu den Hardlinern der Ökoszene oder Treiberin der Agenda Prozesse gehört habe. Ich war eher die „Leisevertreterin“, die sich aber grundsätzlich Gedanken und Sorgen um die eigene und die Zukunft der anderen macht und gemacht hat. Die Belastbarkeitsgrenze unsere Erde, was sich heute planetare Grenzen nennt. Nach der Babypause bin ich 2002 in die Windbranche gewechselt, ein Unternehmen, das ein Online-Portal für die Windbranche betrieb, doch das Thema Wind sollte gar nicht mein Fokus stehen. Wasserstoff- und Brennstoffzellen…das war mir fremd. Aber die Faszination hatte mich schnell gepackt und die „ideologische Reise“ für diese Zukunftstechnologie begann.

Wann hast du H2Gate gegründet und was ist die Vision bzw. das Ziel?

2004, nach dem ersten H2-Stammtisch brauchte ich eine virtuelle Plattform, eine Website, die das abbildete, was ich mit anderen teilen wollte. Aufklären und informieren über eine zukunftsweisende Branche, die mir damals so fremd war. Auch die Vernetzung sollte online stattfindet, deshalb entstand ein Branchenatlas, der die Akteure der Wasserstoff- und Brennstoffstellen-Technologie darstellte. Später wurden Kooperationspartner gewonnen, die diese Idee unterstützen und ein Teil des H2Gate-Netzwerkes wurden.

Seit wann beschäftigst du dich mit dem Thema Wasserstoff und warum genau Wasserstoff und nicht Kosmetik? 😉

2002 habe ich das Buch von Jermy Rifken: Die H2-Revolution: „Wenn es kein Öl mehr gibt… Mit neuer Energie für eine gerechte Weltwirtschaft“, gelesen. Wasserstoff, die Lösung für eine autarke und nachhaltige Stromversorgung, das wäre die zukünftige Energieversorgung der Superlative. Ein faszinierendes Buch, dass ich jedem, der es noch nicht gelesen hat empfehlen kann. Die Abhängigkeit zu den fossilen Brennstoffen, wie Öl insbesondere damals zum Nahen Osten, der Golfkrieg, der kalte Krieg und jetzt der Russische Angriffskrieg zeigen unsere Achillesferse. Schon damals hatte Rifken Recht „Wir stehen am Scheideweg: Wenn es kein Öl mehr gäbe, wäre diese Welt sicherer, sauberer und gerechter.“

Warum hatte es das Thema Wasserstoff in den letzten Jahren und Jahrzehnten in der Presse und Politik so schwer?

Angebot und Nachfrage reguliert nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die politische Richtung. Ein gemeinsamer Kommittent, eine Strategie, die grünes Licht für den Ausbau dieser Technologie gibt, hat es nie gegeben. Es gab zu viele Kriter:innen und nicht die Notwendigkeit bzw. den Druck auf die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik etwas zu ändern. Zu hohe Kosten insbesondere bei der Herstellung von grünem Wasserstoff, der Energieverlust bei der Elektrolyse und letztendlich die fehlende Infrastruktur, das Henne-Ei-Problem haben es dieser Technologie immer schwer gemacht. 

Bist du überzeugt, dass jetzt gute Jahre für die Wasserstoffbranche kommen werden und wenn ja, warum?

Ja das bin ich. Mit der nationalen Wasserstoff-Strategie hat 2020 die Bundesregierung den politischen Rahmen für die Förderung dieser grünen Technologien geschaffen. Seit Jahren haben die Hersteller der Technologien, die zur Produktion, zur Weiterverarbeitung und Anwendung von grünem Wasserstoff benötigt werden gearbeitet und in zahlreichen Pilotprojekten erprobt. Ihre Hersteller haben nur darauf gewartet, dass es endlich mit dem Aufbau einer grünen Wasserstoff-Wirtschaft losgeht. Die Rahmenbedingungen für Investitionen sollen verbessert, die Erzeugungskosten gesenkt und die Infrastruktur ausgebaut werden. H2 Mobility Deutschland plant bis 2030, die bisher 90 Wasserstofftankstellen auf 300 in Deutschland auszubauen. Dabei werden mehr als 200 Tankstellen zu Großanlagen ausgebaut, um die Nachfrage nach emissionsfreiem Güterverkehr mit Brennstoffzellen-Lkw auf dem europäischen Kontinent zu decken. Und die EU setzt 5,4 Milliarden Euro für die Wasserstoff-Förderung ein. 

Seit 2004 gibt es euren Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Stammtisch in Hamburg, kurz den H2-Stammtisch. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und was sind die Themen bzw. wer besucht die Stammtische?

Mit meiner neuen Herausforderung im neuen Job habe ich mich zwischen 2002-03 auf die Suche begeben. Im Internet recherchiert, unzählige Telefonate geführt, bei Institutionen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen angefragt und bin auf Messen gegangen, um die Akteure dieser Branche zu identifizieren. Das Ergebnis war etwas ernüchternd, denn es gab tatsächliche nur eine „eingeschworene Szene“ von der jeder „Otto-Normal-Verbraucher“ keine Kenntnis hatte. So ist die Idee des Stammtisches entstanden. Ich wollte einen Treffpunkt organisieren, der den Fachleuten einen neutralen Ort des Austausches bot und auch für „Nicht-Fachleute“ einen niedrigschwelligen Zugang zu dieser zukunftsträchtigen Technologie ermöglichte. Und so fand im Februar 2004 in einem italienischen Restaurant gegen über der Hamburger Oper der 1. H2/BZ-Stammtisch in Hamburg statt. Ca. 20 Teilnehmer:innen folgten der Einladung u.a. die Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg, TÜV-Nord, die Hamburg Bürgerschaft, Linde AG, Vattenfall ehemals HEW, die HAW (Hochschule für angewandte Wissenschaften), Hamburg Messe sowie Hamburger Hochbahn.

Am 2. September findet nun der Jubiläums-Stammtisch in Hamburg im Wälderhaus statt. Was wird das Thema sein, wer hat sich schon angekündigt und kann noch jeder kommen, der will?

Die Sponsoren des jeweiligen Stammtisches bestimmen das Thema. Beim Jubiläums-Stammtisch sind es drei, das Cluster Erneuerbaren Energie Hamburg (EEHH), ILF Beratende Ingenieure und die H2Expo. Es wird also ein abwechslungsreiches Programm. Jan Rispens Geschäftsführer (EEHH) wird über ihre neue Strategie und Ausrichtung im Segment Wasserstoff sprechen, Marco Lippeck, Regionalleiter Industrie Nord-West

(ILF) wird aus den Erfahrungen der Umsetzung von Wasserstoffprojekten, von der Planung von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, zur Wasseraufbereitung und ‑entsalzung sowie zur Produktion, Speicherung und zum Transport von Wasserstoff berichten und Benjamin Engelke, Projektleiter H2Expo & Conference gibt uns einen Einblick in sein aktuelles Programm vom 27.-30. September 2022 in Hamburg. Namenhafte Akteure haben sich bereits angemeldet u.a. Apex Energy, Aurubis, carneades hydrogen GmbH, GTH Getreide Terminal, GP JOULE, HPA, Hoeller Electrolyzer GmbH, H2Mobility, Helmholtz-Zentrum Hereon, Wasserstoffenergiecluster Mecklenburg-Vorpommern e.V., RWE Renewables, Philips, Universität Hamburg und viele mehr. Grundsätzlich kann sich jeder anmelden, da aber die Plätze limitiert sind, ist eine zeitnahe Anmeldung ratsam und für unsere Planung und Vorbereitung sehr hilfreich 😉

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