Ethische Geldanlage mit der Bank für Kirche und Caritas eG

Ethische Geldanlage mit der Bank für Kirche und Caritas eG. Ein Interview mit Dr. Helge Wulsdorf, Leiter Nachhaltige Geldanlagen.

BOERSE-N: Herr Wulsdorf, wofür steht die Bank für Kirche und Caritas eG?

DR. HELGE WULSDORF: Unser Name ist Programm und das ganz bewusst. Als katholische Kirchenbank stehen wir für eine klare Wertorientierung, die fest im christlichen Glauben verankert ist und die globalen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung aufgreift. Unser Auftrag ist es, christliche Werte in unseren Finanzprodukten und Dienstleistungen für die Kundinnen und Kunden aus – wie unser Name eben sagt –Kirche und Caritas umzusetzen.

Für welche Art Kunde/in sind Sie die richtige Bank?

Als genossenschaftliches Spezialinstitut sind wir seit 1972 für kirchliche und caritative Einrichtungen sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da. Für sie bieten wir passgenau die gesamte Palette von Finanzdienstleistungen, angefangen vom Zahlungsverkehr, über Finanzierungen bis hin zur Vermögensverwaltung. Inzwischen sind wir auch für Stiftungen die richtige Partnerin. Sie schätzen unsere Kompetenz speziell im Bereich wertorientierter Geldanlagen und nehmen diese vermehrt in Anspruch.

Nachhaltige Produkte der BKC

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist für uns Markenkern. Schon vor über eineinhalb Jahrzehnten haben wir als erste Kirchenbank unser Bankgeschäft auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Unser BKC-Kompetenzzentrum „Nachhaltige Geldanlagen“ ist seitdem für die Konzeption und Weiterentwicklung unserer ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie verantwortlich, die unseren Finanzprodukten und -dienstleistungen zugrunde liegt. Darüber hinaus ist die Fachabteilung für die BKC-Nachhaltigkeitsstrategie zuständig und koordiniert deren hausinterne Umsetzung. Nachhaltigkeit ist somit für uns ein Querschnittthema, das in allen Bereichen und Abteilungen unseres Bankbetriebs eine zentrale Rolle spielt.

Wie definieren Sie ethische Geldanlage?

Wir sprechen bei uns in der Bank ganz bewusst von ethisch-nachhaltigen Geldanlagen. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass die von uns umgesetzten nachhaltigen Anlagekriterien im ökologischen, sozialen und Governance-Bereich, die so genannten ESG-Kriterien, anhand unserer ethischen Wertorientierung begründet werden. Ziel unserer Geldanlagen ist es, dass unsere Kundinnen und Kunden keine Geschäftsmodelle und -aktivitäten unterstützen oder finanzieren, die den ethischen Wertvorstellungen von Kirche und Caritas widersprechen.

Was hat Ihre Bank aus der Finanzkrise 2008 für Schlüsse gezogen?

Das Geschäftsmodell katholische Kirchenbank hat sich in der Finanzkrise als ziemlich robust erwiesen. Wir haben uns durch die Finanzkrise vor allem darin bestätigt gesehen, dass wir uns mit unserer ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie seit 2003 auf dem richtigen Weg befinden. Diese Erkenntnis war für uns Ansporn, unseren Nachhaltigkeitsansatz konsequent als Risikoansatz weiterzuentwickeln. Die von uns umgesetzten Kriterien im ökologischen, sozialen und Governance-Bereich beinhalten immer auch finanzielle Chancen und Risiken. Diese setzen wir neben den Ausschlüssen in den Bausteinen Positiv-/Negativ-Scooring, Engagement und ESG-Integration um. Wir vermindern damit zusätzliche Risiken, die die reine Finanzanalyse als solche nicht offenlegt.

Die Coronakrise könnte wirtschaftlich betrachtet größere Folgen für private und institutionelle Anleger haben, als die Bankenkrise 2008. In welcher Form werden Sie sich auf die neue Situation im Hinblick auf die Liquidität Ihrer Kunden und die Zinspolitik der Zentralbank einstellen?

Es ist noch lange keine ausgemachte Sache, wie tiefgreifend die Einschnitte in der Real- und Finanzwirtschaft durch die Corona-Krise sein werden. Insofern sind langfristige Finanzierungsbedarfe noch nicht ohne weiteres absehbar. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kundinnen und Kunden jederzeit mit der notwendigen Liquidität zu versorgen. Hierfür schöpfen wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel und Instrumente aus. Natürlich können wir uns als Kirchenbank nicht den jeweiligen Marktentwicklungen entziehen und müssen hierauf adäquat und umgehend reagieren. Für unsere Kundinnen und Kunden wird sich aber nichts ändern. Sie werden ihre Bank für Kirche und Caritas wie gehabt für ihre Finanzanforderungen in Anspruch nehmen können.

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Welchen Stellenwert hat für Sie digitales Banking und wie sieht die moderne Form der Bankgeschäfte bei Ihnen aus?

Die Corona-Krise dürfte im Bankbereich einen weiteren Digitalisierungsschub auslösen, wenn sie ihn nicht schon ausgelöst hat. Viele Menschen haben in der letzten Zeit gesehen und erfahren, was alles online möglich ist. Hierzu gehören auch Bank- und Beratungsgeschäfte. Die Banken haben sich aufgrund der Krise hierauf eingestellt und ihre Angebote ausgeweitet. Videoberatung und online Banking sind heute Selbstverständlichkeiten, die im Sinne der Kundinnen und Kunden weiter verbessert werden können und sollten. Obwohl vieles heute online im Bankbereich möglich ist, die persönliche Beziehung zu den Kundinnen und Kunden wird dadurch nicht ersetzt. Gerade die strategische Ausrichtung von Vermögen, insbesondere unter ethisch-nachhaltigen Gesichtspunkten funktioniert eigentlich nur face to face. Denn nur im vertieften persönlichen Gespräch lässt sich gemeinsam erarbeiten, welche ethisch-nachhaltigen Wertvorstellungen die Kundinnen und Kunden bei ihrer Vermögensanlage umgesetzt haben wollen.

Wie definieren Sie die Bank von morgen?

Die Bank von morgen wird sicherlich eine andere sein als die Bank von heute. Sie wird digitaler und auch nachhaltiger sein. Allein schon die Regulatorik bedingt, dass sich Banken nachhaltiger als bislang aufstellen müssen. Die zukünftig geforderte Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz im Beratungsgespräch wird dafür sorgen, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzangeboten steigen wird. Für uns als Bank für Kirche und Caritas stellt diese Anforderung kein Problem dar, da wir seit über eineinhalb Jahrzehnten alle unsere hauseigenen Finanzprodukte nachhaltig anbieten. Das wachsende Angebot nachhaltiger Geldanlagen wird eher die Frage nach der Qualität solcher Produkte aufwerfen. Ihre Qualität hängt wesentlich von der Transparenz der Anlagekriterien und Investmentprozesse ab. Schließlich wollen die Kundinnen und Kunden Gewissheit darüber haben, was sie mit ihrer Geldanlage neben dem finanziellen Aspekt hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung bewirken. Als auf Nachhaltigkeit spezialisierte Kirchenbank können sich unsere Kundinnen und Kunden sicher sein, dass sie mit ihrer Geldanlage bei uns positive Wirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung aus christlicher Perspektive fördern und negative verhindern.

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Marcus Noack
Marcus Noack
Marcus Noack studierte internationale BWL und International Business Communication und gründete neben seinem Studium sein erstes Startup 2006. Heute ist Marcus Noack Serial-Entrepreneur und seit mehr als 10 Jahren in der Nachhaltigkeitsszene aktiv. Die Nachhaltigkeitsportale LifeVERDE, JOBVERDE oder Gruene-Startups.de wurden von ihm mit entwickelt.
http://www.boerse-n.de

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