Die Corona-Krise: die erste richtige Bewährungsprobe für die meisten ESG-Fonds

Im Interview mit BOERSE-N, Dr. Oliver Plein, Head of Investment Specialists Active Equity bei der DWS Group zum Thema nachhaltige Fonds und soziale Kriterien.

BOERSE-N.de: Stellen Sie uns bitte einmal DWS kurz vor.

DR. OLIVER PLEIN: Die DWS Group (DWS) ist einer der weltweit führenden Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 700 Milliarden Euro (Stand: 31. März 2020). Sie blickt auf mehr als 60 Jahre Erfahrung zurück und ist in Deutschland und Europa für ihre exzellenten Leistungen bekannt. Weltweit vertrauen Kunden der DWS als Anbieter für integrierte Anlagelösungen. Sie wird über das gesamte Spektrum der Anlagedisziplinen hinweg als Quelle für Stabilität und Innovationen geschätzt.

Die DWS bietet Privatpersonen und Institutionen Zugang zu ihren leistungsfähigen Anlagekompetenzen in allen wichtigen Anlagekategorien sowie Lösungen, die sich an Wachstumstrends orientieren. Unsere umfassende Expertise als Vermögensverwalter im Active-, Passive- und Alternatives-Geschäft sowie unser starker Fokus auf die Nachhaltigkeitsaspekte Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung ergänzen einander bei der Entwicklung gezielter Lösungskonzepte für unsere Kunden. Das fundierte Know-how unserer Ökonomen, Research-Analysten und Anlageprofis wird im globalen CIO View zusammengefasst, der unserem Anlageansatz als strategische Leitlinie dient.

Die DWS möchte die Zukunft des Investierens gestalten. Dank unserer rund 3.500 Mitarbeiter an Standorten in der ganzen Welt sind wir dabei lokal präsent und bilden gleichzeitig ein globales Team. Wir sind Anleger – mit dem Auftrag, die beste Basis für die Zukunft unserer Kunden zu schaffen.

Die gegenwärtige Corona-Krise war für die meisten ESG-Fonds über alle Anlageklassen hinweg die erste richtige Bewährungsprobe.

Dr. Oliver Plein, Head of Investment Specialists Active Equity, DWS

Nachhaltige Aktienfonds sollen laut einer Scope Analyse besser durch die Corona-Krise kommen. Was glauben Sie, warum ist das so?

Die gegenwärtige Corona-Krise war für die meisten ESG-Fonds über alle Anlageklassen hinweg die erste richtige Bewährungsprobe. Und diese wurde sehr gut bewältigt, wenn man sich z.B. die Wertentwicklung sowie die Absatzzahlen anschaut. Nahezu alle ESG-Fonds konnten sich einer Analyse von Morningstar zufolge besser entwickeln als traditionelle Fonds. Die relativ überlegene Wertentwicklung konnten wir auch bei unseren ESG-Fonds feststellen. Zurückzuführen ist dies nicht nur auf Sektorausschlüsse wie Energie sondern auch auf einen gewissen ESG-Faktor, sprich besserer Fundamentaldaten und langfristigerer Ausrichtung von Unternehmen mit hoher ESG-Qualität.

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Darüber hinaus könnten nachhaltige Strategien durch die gesellschaftliche Neubewertung des Verhältnisses von Ökonomie und Ökologie – auch im Hinblick auf die milliardenschweren Corona-Konjunkturprogramme – gestärkt aus der Pandemie hervorgehen. In vielen Regionen besteht die Idee, den Umbau der Wirtschaft möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Auch die Dekarbonisierung der Welt bleibt ganz oben auf der Agenda.

Wie setzen sich Ihre nachhaltigen Fonds zusammen und welche Kriterien spielen hier eine Rolle?

Im Rahmen des Analyse- und Investmentprozesses nutzt das Fondsmanagement die Expertise führender und unabhängiger ESG-Datenanbieter. Diese Datenpunkte werden in der proprietären „ESG Engine“ verarbeitet und normiert. Dieser einzigartige Ansatz ermöglicht eine 360-Grad-Analyse eines Unternehmens. Bei dezidierten DWS ESG Fonds werden Ausschlusskriterien bei kontroversen Waffen und Sektoren angewendet sowie Unternehmen ausgeschlossen, die gegen die internationalen Normen des Global Compact der Vereinten Nationen verstoßen. Darüber hinaus wird für die verbleibenden Unternehmen ein Best-in-Class-Ansatz verwendet, welcher Vorreiter und Nachzügler im Bereich Nachhaltigkeit identifiziert und letztere ausschließt. Dies betrifft auch das von uns entwickelte Klimaübergangsrisiko-Rating, welches überdurchschnittlich besser als der Branchenvergleich sein muss.

Nachhaltige Fonds werden oftmals auch kritisch beäugt, zu Recht?

Der Zusammenhang zwischen Risiko und Performance ist bei der Betrachtung von sozialen Faktoren und der Unternehmensführung als Teil von ESG möglicherweise weniger deutlich erkennbar, doch es gibt inzwischen auch hierfür vielfältige Beweise. Ein bekanntes Beispiel ist die „Diesel-Affäre“, durch die der Aktienkurs des betroffenen Unternehmens innerhalb weniger Tage um ein Drittel gesunken ist. Entscheidend ist, dass verantwortungsvolle Umwelt- und soziale Richtlinien eines Unternehmens fast immer auch auf eine gute Unternehmensführung zurückzuführen sind. Zum Beispiel hätte – laut einer Studie der Bank of America Merrill Lynch aus dem Jahr 2018 – ein Investor, der nur Aktien mit überdurchschnittlichen Umwelt- und Sozialbewertungen 5 Jahre vor dem Konkurs eines Unternehmens gekauft hätte, mehr als 90 Prozent der Insolvenzen, die seit 2005 im S&P 500 aufgetreten sind, vermieden. Eine weitere Studie der Oxford University zusammen mit Arabesque Partners aus dem Jahr 2015, die mehr als 200 verschiedenen Quellen untersuchte, stellt einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen sorgfältiger Geschäftspraxis im Bereich Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Leistung fest. 88 Prozent der untersuchten Quellen belegen, dass Unternehmen mit robusten Nachhaltigkeitspraktiken eine bessere operative Leistung aufweisen, was sich letztendlich in Cashflows niederschlägt. Weitere 80 Prozent der untersuchten Studien zeigen einen positiven Zusammenhang von Aktienkursentwicklung und Nachhaltigkeitsbewertungen von Unternehmen. Ein Fazit nahezu aller Studien ist, dass Verantwortung und Rentabilität nicht unvereinbar sind, sondern sich in jeder Hinsicht ergänzen.

Wie können Anleger in Deutschland nachhaltige Fonds finden und bei der Recherche vorgehen?           

Bekanntlich führt ja nicht nur ein Weg nach Rom, sondern mehrere. Das gilt auch für Anleger, die sich mit ESG-Fonds auseinandersetzen wollen. Bei expliziten ESG-Anlagen werden die jeweiligen Beiträge zu den SDGs oder anderen ESG-Faktoren ausgewiesen. Mit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung und des EU-Aktionsplans in 2021 werden konkrete Regeln und Definitionen festgelegt, wodurch der Ausweis der Nachhaltigkeitsinformation umfassender wird. Unabhängig davon sollten sich Anleger überlegen, welche Form der Transparenz und ESG-Faktoren bei der Produktauswahl wichtig ist. Dabei können externe Initiativen oder Einschätzungen, wie z.B. die „Sustainability Globes“ von Morningstar helfen.

Welche Rolle wird das Thema Nachhaltigkeit für die DWS Group in Zukunft konkret spielen?

Die DWS will führend im ESG-Markt sein und intensiviert fortlaufend ihre Anstrengungen, Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Als Treuhänder für unsere Anleger sehen wir Verantwortung als Teil unserer Daseinsberechtigung (license to operate).

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