Im BörseN-Podcast gibt Alexander Kofka, seit 15 Jahren Kommunikationschef bei AboEnergy, einen tiefen Einblick in die Entwicklung des Unternehmens, die Herausforderungen des Energiemarktes und die strategische Zukunftsausrichtung. Gemeinsam mit Börsenexperte Stefan Krick werden die wichtigsten Fragen rund um den Projektentwickler für erneuerbare Energien besprochen – von Wasserstoff über Batterieprojekte bis zur Börsenbewertung. Das Gespräch zeigt: AboEnergy steht an einem Wendepunkt, der sowohl Chancen als auch Risiken birgt.
Warum hat sich ABO Energy trotz anfänglichen Drucks auf den Aktienkurs für die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) entschieden – und welche Überlegungen stehen hinter der möglichen Rückkehr zur AG-Struktur? Welche Rolle soll künftig das Geschäft als unabhängiger Stromproduzent (Independent Power Producer, IPP) spielen? Und wie will das Unternehmen vom Batteriespeicherboom in Deutschland mit mittlerweile rund 500 Gigawatt Netzanschlussleistung in der Anfragephase profitieren?
Vom journalistischen Schreibtisch in die Energiewirtschaft
Alexander Kofka, ursprünglich aus dem Journalismus kommend, verantwortet bei AboEnergy sämtliche interne und externe Kommunikation – vom Austausch mit Kommunalpolitikern über Investor Relations bis hin zur Bürgerkommunikation. An seiner Seite im Gespräch: Stefan Krick, nachhaltiger Aktien-Experte und Betreiber eines der größten virtuellen Musterportfolios auf Wikifolio.
AboEnergy – vom Windpionier zum Multitechnologie-Unternehmen
Vor über 30 Jahren als „Narrow Wind“ gestartet, konzentrierte sich das Unternehmen zunächst ausschließlich auf Windkraftprojekte. Vor rund zehn Jahren folgte der Einstieg in die Solarenergie, inzwischen ergänzt durch Batteriespeicher. Heute versteht sich AboEnergy als breit diversifizierter Projektentwickler mit Fokus auf:
-
Onshore-Wind
-
Photovoltaik
-
Batteriespeicher
-
Wasserstoffperspektiven in internationalen Märkten
Diese technologische und geografische Streuung sei notwendig, so Kofka, um politische und regulatorische Risiken abzufedern – denn gerade die Windkraft war in der Vergangenheit immer wieder politischen Schwankungen ausgesetzt.
Strategiewechsel: Vom klassischen Projektentwickler zum möglichen Betreiber
Historisch setzte AboEnergy konsequent auf Entwicklung und Verkauf ihrer Projekte – spätestens zur Inbetriebnahme. Doch der Markt hat sich verändert:
-
Mehr genehmigte Projekte, vor allem dank der energiepolitischen Beschleunigung der vergangenen Jahre.
-
Steigende Anzahl neuer Windparks führt zu einem deutlich höheren Angebot.
-
Sinkende Margen bei Projektverkäufen drücken auf den Gewinn.
Gleichzeitig werden Erneuerbare längst nicht mehr als Nischensektor wahrgenommen, sondern sind zu einem zentralen Bestandteil der Energieversorgung geworden. Damit steigt auch die Attraktivität langfristiger Geschäftsmodelle wie dem eigenen Betrieb von Wind- und Solarparks.
Um selbst Betreiber zu werden, bräuchte AboEnergy jedoch deutlich mehr Kapital als bisher. Kapitalerhöhungen sind aufgrund der schwachen Bewertung jedoch schwierig – ein Dilemma, das den strategischen Wandel bremst.
Politische Rahmenbedingungen: Zwischen Verunsicherung und Stabilität
Die neue Bundesregierung äußert sich weniger enthusiastisch gegenüber erneuerbaren Energien als ihre Vorgänger, doch laut Kofka habe sich die Situation faktisch nicht verschlechtert. Gesetze und Rahmenbedingungen seien stabil geblieben. Weniger positiv beurteilt er die Kommunikation der Politik, die in der Branche teilweise für Irritationen sorge.
Ein konkretes Beispiel ist die Diskussion um neue Gaskraftwerke als Netzkapazitätssicherung. Batterien tauchten in der Kapazitätsplanung kaum auf – aus Sicht von Kofka jedoch zu Recht, da Batterien nur tägliche, nicht aber mehrtägige Flauten ausgleichen können.
Wasserstoff: Große Visionen, aber noch ein weiter Weg
AboEnergy ist bei Wasserstoffprojekten international gut positioniert – etwa in:
-
Kanada
-
Finnland
-
Südafrika
-
Argentinien
Doch Kofka mahnt: Die Branche habe sich zu früh zu viel versprochen. Die Nachfrage wächst, aber Käufer sind bisher kaum bereit, die notwendigen Preise zu zahlen.
Das größte Projekt – ein 3-Gigawatt-Wasserstoffvorhaben in Neufundland – wurde zu 90 % an Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) verkauft. Das erleichtert zwar die Finanzierung, reduziert aber auch den Anteil am späteren Ertrag.
Warum AboEnergy nicht in die USA expandiert hat
Obwohl der amerikanische Markt enorm ist, entschied man sich dagegen, da die bestehenden Märkte bereits hohe Ressourcen bindeten. Zudem seien die Risiken im Offshore-Bereich – wie die Probleme von Orsted zeigten – erheblich größer. Onshore-Märkte wie Kanada seien dagegen stabiler und besser beherrschbar.
Kapitalmarkt: Stabile Gewinne, schwacher Aktienkurs
Ein Kernthema des Gesprächs ist die Diskrepanz zwischen der operativen Entwicklung und der Börsenbewertung.
Die Fakten:
-
AboEnergy ist seit über 30 Jahren durchgehend profitabel.
-
Die Gewinne sind stabil – trotz der Volatilität des Projektgeschäfts.
-
Die jährlichen Gewinnmarken wurden über die Jahre kontinuierlich ausgeweitet:
10 Mio. € → 20 Mio. € → Ziel: 30 Mio. €.
Für 2024 erwartet das Unternehmen 29–30 Mio. € Gewinn – trotz sinkender Margen im deutschen Markt.
Warum also kein Aktienrückkauf wie Konkurrenten?
Kofka sagt klar: „Wir haben Besseres mit unserem Kapital zu tun.“
Man wolle in Projekte investieren, nicht in den eigenen Aktienkurs.
Warum Anleger trotzdem auf AboEnergy setzen könnten
Trotz der kurzfristigen Skepsis des Marktes sieht Kofka klare Argumente:
-
Stetige Gewinnentwicklung über Jahrzehnte
-
Hohe Diversifikation über Länder und Technologien
-
Solide Finanzierung (Green Bond, Bankkonsortialkredite)
-
Konservatives, nachhaltiges Wachstum
-
Möglicher struktureller Sprung, sobald das Unternehmen als Betreiber aktiv wird
Viele Anleger handelten zu kurzfristig, so Kofka – doch langfristig könne sich das antizyklische Investieren lohnen.
Fazit: Ein Unternehmen im Übergang
AboEnergy steht an einer entscheidenden Weggabelung. Das alte Modell des reinen Projektverkaufs verliert an Attraktivität, während der Betrieb eigener Anlagen eine vielversprechende Zukunft eröffnet – jedoch enorme Kapitalmengen erfordert. Politische Unsicherheiten, volatile Märkte und ein gedrückter Aktienkurs machen die Transformation anspruchsvoll.
Doch eines zeigt die Geschichte des Unternehmens eindeutig: AboEnergy hat in mehr als drei Jahrzehnten immer wieder bewiesen, dass es sich erfolgreich an neue Marktbedingungen anpassen kann.
Die nächsten Jahre werden entscheiden, ob dem Projektentwickler der nächste große Sprung gelingt.
Weitere Informationen zu ABO Energy

ABO Energy
ABO Energy ist ein international tätiger Projektentwickler für erneuerbare Energien und treibt seit über 25 Jahren die Energiewende voran. Das Unternehmen plant, realisiert und betreibt Wind-, Solar- und Speicherprojekte weltweit – mit dem Ziel, eine klimafreundliche, sichere und unabhängige Energieversorgung zu schaffen.



