Sein Geld nachhaltig anlegen in sogenannten Nachhaltigkeitsfonds

Interview | Hierzu hat sich BOERSE-N mit Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance bei der Deka Investment unterhalten.

BOERSE-N.de: Stellen Sie uns bitte einmal die Deka kurz vor.

INGO SPEICH: Die Deka Investment ist eine hundertprozentige Tochter der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen. Zum Produktportfolio gehören traditionell und quantitativ gemanagte Wertpapierfonds sowie ETFs. Für die privaten Kunden der Sparkassen managen wir Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, und Mischfonds sowie wertgesicherte Fonds. Für institutionelle Anleger managen wir Spezialfonds sowie Advisory- und Management-Mandate. Für diese Kundengruppe bieten wir außerdem Master-Fonds an.

Wie ist die Deka in Sachen Nachhaltigkeit aufgestellt?

Als Teil der Sparkassen-Finanzgruppe fühlt sich die Deka einer nachhaltigen Entwicklung der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft verpflichtet. Nachhaltiges Wirtschaften betrachten wir als integralen Bestandteil unserer Geschäftsstrategie und Unternehmensführung.

Im Fondsmanagement ist unser Nachhaltigkeitsbegriff ein umfassender. Er enthält alle drei Dimensionen von Nachhaltigkeit, also die Kombination von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit mit den Grundsätzen der guten Unternehmensführung. Denn wir sind überzeugt, dass nur über diese ganzheitliche Betrachtung eine Fehlallokation vermieden werden kann. So existieren in der jüngeren Wirtschafts- und Kapitalmarktgeschichte zahlreiche Beispiele, bei denen Unternehmen trotz einer klaren ökologisch-nachhaltigen Ausrichtung aufgrund einer mangelhaften Unternehmensführung gescheitert sind. Durch die Integration nachhaltiger Aspekte wird das magische Dreieck der Geldanlage (Rentabilität, Sicherheit und Liquidität) zum „magischen Viereck“.

Hier zum BOERSE-N-Newsletter anmelden und zum Thema nachhaltige Geldanlage immer up to date bleiben!

Nachhaltige Aktienfonds sollen laut einer Scope Analyse besser durch die Corona-Krise kommen. Was glauben Sie, warum ist das so?

Ja, ESG-Fonds konnten in der aktuellen Krisensituation häufig eine bessere Performance erzielen als ihre Vergleichsindizes. So hat zum Beispiel der Deka-Nachhaltigkeit Aktien in den Krisenmonaten deutlich besser abgeschnitten als der MSCI World Index. Das zeigt, wie wichtig die Integration von ESG-Kriterien bei der Wertenwicklung ist.

Wie setzen sich Ihre nachhaltigen Fonds zusammen und welche Kriterien spielen hier eine Rolle?

Unser mehrstufiger Investmentansatz für nachhaltige Investmentfonds umfasst sowohl Ausschlusskriterien als auch einen Best in Class-Ansatz. Neben den für alle Publikumsfonds der Deka-Gruppe geltenden Ausschlüssen, etwa kontroverse Waffen (Streubomben und Landminen), greifen hier weitere Ausschlüsse aus den Bereichen ESG. Im nächsten Schritt werden dann über den Best in Class-Ansatz die schlechtesten Unternehmen jeder Branche herausgefiltert. Zuletzt haben wir Ausschlusskriterien für Kohleunternehmen definiert. Konkret bedeutet dies, dass seit dem 1. Mai 2020 die aktiv gemanagten Publikumsfonds der Deka Investment nicht mehr in Unternehmen investieren dürfen, die ihren Umsatz zu mehr als 30 Prozent durch Kohleförderung oder zu mehr als 40 Prozent aus der Kohleverstromung erwirtschaften. Bei den Deka-Nachhaltigkeitsfonds gelten noch strengere Grenzen. Dort sind Unternehmen, die Kohle fördern, komplett aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen. Unternehmen, die Kohle zur Stromerzeugung nutzen, sind ab 10 Prozent Umsatzanteil ausgeschlossen. Nur die verbleibenden Unternehmen stehen dann unseren Portfoliomanagern als Anlagemöglichkeit zur Verfügung.

Unser Fondsuniversum umfasst darüber hinaus Fonds, die dem sogenannten Impact Investing-Ansatz folgen: Hier erfolgt die Investition unter der klaren Vorgabe, dass sie eine messbare, positive Wirkung auf die Gesellschaft und/oder die Umwelt haben.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Nachhaltigkeitsansatzes der Deka-Gruppe bildet das Thema Engagement, also die aktive und engagierte Ausübung von Aktionärsrechten. Dies umfasst auch den aktiven, kritischen und zielgerichteten Dialog mit Unternehmen, insbesondere bei kritischen Geschäftsaktivitäten, und die bewusste Ausübung der Stimmrechte auf den Hauptversammlungen. Unser Ziel ist die Förderung von Innovation sowie die Begleitung des Wandels, um positive Auswirkungen auf das Geschäftsmodell und damit auf die langfristige Wertentwicklung zu erzielen.

Nachhaltige Fonds werden oftmals auch kritisch beäugt, zu Recht?

Nein, Nachhaltigkeit zahlt sich für Anleger aus und widerlegt das Vorurteil, dass Nachhaltigkeit Rendite kostet. Wichtig ist eine breite Diversifikation des Portfolios. Damit ist auch ein weiterer Kritikpunkt, Nachhaltigkeit sei nur einseitig „grün“, ausgeräumt. Nachhaltigkeit ist kein Marketing, sondern muss Bestandteil eines modernen Portfoliomanagements sein.

Wie können Anleger in Deutschland nachhaltige Aktien finden und bei der Recherche vorgehen?           

Anlaufpunkt ist, wie bei allen Fragen rund um die Aktie, die Investor-Relations-Abteilung eines Unternehmens. Sofern Nachhaltigkeit bei dem Unternehmen eine Rolle spielt, fallen die Informationen dazu schnell ins Auge. Zudem hilft ein Blick in den Geschäftsbericht oder in den Nachhaltigkeitsbericht. Diese findet man auf der Internetseite. Außerdem empfiehlt sich ein Vergleich mit Wettbewerbern oder vergleichbaren Unternehmen. Bei aller Fokussierung auf die Nachhaltigkeit darf nie die Bewertung und Tragfähigkeit des Geschäftsmodells außer Acht gelassen werden. Eine Investition in das nachhaltigste Unternehmen endet in einem Fiasko, wenn es nicht wirtschaftlich arbeitet.

Welche Rolle wird das Thema Nachhaltigkeit für die Deka in Zukunft konkret spielen?

Ungeachtet der Corona-Krise wird sich der Klimawandel weiter beschleunigen und die Menschen und die Wirtschaft negativ beeinflussen. Wir gehen deshalb von einer steigenden Nachfrage nach ESG-Fonds aus

Unser Angebot an nachhaltigen Anlageprodukten haben wir deshalb in den letzten Jahren deutlich erweitert und werden es weiter ausbauen Sparkassen können dann künftig auf eine noch größere Auswahl an Anlagelösungen zurückgreifen, um ihren Kunden das für sie passende Produkt anbieten zu können.

Auch interessant: Nachhaltige Aktien im Mai 2020

Hier zum BOERSE-N-Newsletter anmelden und zum Thema nachhaltige Geldanlage immer up to date bleiben!

Marcus Noack
Marcus Noack
Marcus Noack studierte internationale BWL und International Business Communication und gründete neben seinem Studium sein erstes Startup 2006. Heute ist Marcus Noack Serial-Entrepreneur und seit mehr als 10 Jahren in der Nachhaltigkeitsszene aktiv. Die Nachhaltigkeitsportale LifeVERDE, JOBVERDE oder Gruene-Startups.de wurden von ihm mit entwickelt.
http://www.boerse-n.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.