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„ETFs können mindestens genauso nachhaltig sein wie aktiv gemanagte Fonds“

Zur Frage, wie nachhaltig ETFs sein können und welche Rolle mittlerweile Socially Responsible Investments (SRI) für die Anleger*innen spielen, haben wir uns mit Dag Rodewald, Head ETF & Index Fund Sales Deutschland & Österreich bei der UBS unterhalten.

INTERVIEW

BOERSE-N.de: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für die UBS?

Dag Rodewald, UBS

DAG RODEWALD: Nachhaltigkeit spielt eine außerordentlich große Rolle für UBS, was sich bei uns schon auf Arbeitsebene in zahlreichen Workstreams und Arbeitsgruppen widerspiegelt. Wir im ETF-Bereich befassen uns schon seit mehr als zehn Jahren intensiv mit dem Thema und haben 2011 die ersten Nachhaltigkeits-ETFs aufgelegt. Seitdem hat sich einiges getan: Wir haben unsere Produktpalette kontinuierlich ausgebaut und ergänzt. Mittlerweile verwalten wir mehr als 30 Mrd. Euro in nachhaltigen ETFs und gehören mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent in diesem Bereich zu den führenden Anbietern in Europa.

Das Thema Green Washing wird aktuell wieder präsenter, da viele Finanz-Anbieter beispielsweise die ESG-Kriterien bei Ihren Portfolios nur mangelhaft erfüllen, ihre Produkte aber dennoch grün labeln. Wie sehen Sie diese Problematik und was machen Sie für Ihre Transparenz im Bereich nachhaltige Geldanlage?

Anhand dieser Diskussion wird der große Vorteil von ETFs deutlich. Unsere Produkte sind regelbasiert und damit äußerst transparent. Welcher Wert im Index enthalten ist und dann im ETF abgebildet wird, ist eindeutig in den Indexregeln festgelegt – und diese Indexregeln sind für alle Anleger öffentlich einsehbar. Das heißt, dass jeder einzelne unserer Nachhaltigkeits-ETF, unabhängig vom Ansatz, nur jene Werte beinhaltet, die laut Index- beziehungsweise Nachhaltigkeitsmethodologie enthalten sein dürfen.  Darüber hinaus veröffentlichen wir auch täglich die aktuellen Werte auf unserer Website. Mehr Transparenz geht aus meiner Sicht nicht! Dies ist neben den niedrigen Kosten und der täglichen Handelbarkeit sicherlich einer der ganz großen Vorteile von ETFs.

Socially Responsible Investments (SRI) werden immer beliebter. Wie sieht das konkret aus, was fordern Ihre Kund*innen ein?

Die Anforderungen der Anleger sind sehr unterschiedlich, das zeigt sich beim Thema Nachhaltigkeit ganz besonders. Eine wesentliche Herausforderung für uns als Produktanbieter ist beispielsweise, dass es keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit gibt. Auch gibt es bei bestimmten Kundensegmenten Vorgaben, inwieweit überhaupt vom Ausgangsindex abgewichen werden darf. Das entscheidet dann darüber, ob ein Investor einen eher strengeren Ansatz wählt, bei dem nur die 25 Prozent der Werte aus einem Sektor mit den höchsten ESG-Ratings berücksichtigt werden – oder einen Ansatz, der auf einen solchen Best-In-Class Ansatz verzichtet wie etwa unser ESG-Universal Ansatz.

Andere Kunden wiederum möchten sich eher an den Zielen des Pariser Klimaabkommens orientieren. Für diese Investoren bietet sich unsere Palette an sogenannten Paris Aligned Benchmark ETFs an. Dabei stellen wir einen generellen Trend fest: Viele Investoren haben in der Vergangenheit zunehmend den Wunsch geäußert, dass Klimaaspekte stärker berücksichtigt werden sollen – unabhängig davon, ob es sich um einen strengen oder einen weniger strengen Ansatz handelt. Aus diesem Grund haben wir in den Produktfamilien der SRI ETFs und der ESG Universal ETFs zusätzliche klimaverändernde Ausschlüsse definiert, wie beispielsweise Unternehmen, die Einnahmen aus Aktivitäten im Zusammenhang mit Öl oder Gas erzielen.

Wie nachhaltig können ETFs Ihrer Meinung nach aktuell sein?

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ETFs mindestens genauso nachhaltig sein können wie aktiv gemanagte Fonds. Durch die klare Abbildung einer vorab definierten Nachhaltigkeitsmethodologie sind sie äußerst transparent aufgestellt, möglicherweise sogar transparenter als einige aktiv gemangte Fonds. Auch das Thema Stewardship spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Das bedeutet für unsere Branche konkret, unseren Einfluss als Investor geltend zu machen, um Unternehmen bei Ihren Bemühungen um nachhaltigeres Wirtschaften zu unterstützen. Hier sind wir bei UBS AM schon seit längerem sehr darauf bedacht, unser Engagement noch weiter auszubauen. Dabei ist unerheblich, ob Stimmrechte aus aktiven oder passiven Investments resultieren – diese werden in ihrer Gesamtheit gebündelt und dann wird gemäß unsere Voting Policy bei Hauptversammlungen abgestimmt.

Welche nachhaltigen ETFs haben Sie im Angebot?

Seit 2011 haben wir eine breite Palette an SRI ETFs aufgebaut – also an ETFs für Social Responsible Investments (kurz SRI). Diese setzen auf einer strengen Nachhaltigkeitsmethodologie auf, bei der letztlich rund 25 Prozent der Unternehmen aus jedem Sektor mit den besten ESG Ratings ausgewählt werden. Dies kann als Fundament unserer nachhaltigen ETFs betrachtet werden. Es ist sehr interessant zu beobachten, dass der wesentliche Teil der Zuflüsse in unsere Nachhaltigkeits-ETFs weiterhin in diese Produktfamilie fließt.

Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr zwei weitere Produktfamilien aufgelegt: Besonders spannend finde ich hier zum einen unsere PAB ETFs, bei denen die Ziele des Pariser Klimaabkommens im Vordergrund stehen, sprich das Portfolio gemäß der von der EU vorgegeben Rahmenrichtlinien auf das 1,5-Grad-Celsius-Klimaszenario bis 2050 auszurichten.

Die zweite interessante Produktfamilie umfasst die sogenannten ESG Universal ETFs. Diese können insbesondere für Anleger interessant sein, die bei ihren nachhaltigen Investments eine geringe Abweichung des SRI-Index vom Ausgangsindex wünschen.

Aber auch abseits dieser marktbreiten Ansätze haben wir einige interessante Produkte zu bieten. Erwähnenswert ist hier sicherlich unser Gender ETF, der global die 100 Unternehmen abbildet, die beim Thema der Geschlechtergleichstellung am besten abschneiden.

Und natürlich decken wir auch auf der Anleihenseite den Faktor Nachhaltigkeit ab. Hier bieten wir Nachhaltigkeitslösungen auf US- und Eurozonen-Unternehmensanleihen, aber auch ETFs auf globale Staatsanleihen, ETFs auf Staatsanleihen der Eurozone und Emerging Markets-Staatsanleihen mit Nachhaltigkeitsfiltern an.

Besonders spannend finde ich im Fixed-Income-Bereich auch unseren Entwicklungsbanken-ETF; dieser beinhaltet Anleihen von Entwicklungsbanken, mit denen zum Beispiel Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern finanziert werden. Zahlreiche der aufgeführten ETFs sind auch währungsgesichert erhältlich.

UBS bietet nachhaltige ETFs auf insgesamt acht MSCI Socially Responsible-Indizes an. Welche sind das?

Bei unseren Produktfamilien ist es uns wichtig, dass Anleger mit unseren ETFs alle global relevanten Regionen abdecken können. Bei den SRI ETFs bieten wir daher die Regionen beziehungsweise Länder USA, EMU, Europa, UK, Schweiz, Japan, Pacific, World, Emerging Markets ACWI an.

Wie streng sind diese Indizes und worauf wird geachtet?

Insgesamt würde ich die SRI Methodologie als einen sehr strengen Nachhaltigkeitsansatz bezeichnen. Wir haben hier einen dreistufigen Prozess, bei dem in den jeweiligen Indizes immer nur die 25 Prozent der Unternehmen aus jedem Sektor verbleiben, die die jeweils höchsten ESG Ratings aufweisen. Es werden alle drei Säulen Environment, Social und Governance berücksichtigt beziehungsweise bewertet. Dabei greift eine Kombination aus wertebasierten Ausschlüssen, bei denen gewisse Tätigkeitsfelder ausgeschlossen werden, dem Abprüfen, ob ein Unternehmen gegen globale Normen verstößt, und einem Best-In Class Ansatz. Zudem wenden wir Ausschlüsse in puncto Klimaveränderung an, was zusätzlich den Fokus auf die Säule E – also Environment – verstärkt.

In vielen Köpfen ist immer noch das Bild vorhanden, dass Nachhaltigkeit mehr kostet. Sind nachhaltige ETFs langfristig rentabler als konventionelle?

Zahlreiche Studien belegen, dass Nachhaltigkeit keine Performance kostet. Ganz im Gegenteil, die vergangenen Jahre haben sogar gezeigt, dass sich zahlreiche Nachhaltigkeitslösungen besser entwickelt haben im Vergleich zu ihren Ausgangsindizes. Interessanterweise haben sich hier dann oftmals eher strengere Ansätze besser entwickelt als die weniger strengen Ansätze.

Allerdings ist die Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft.  Ich finde es eminent wichtig, dass nachhaltige Lösungen auch und vor allem als Risikomanagement-Tool eingesetzt werden können und sollten. Durch nachhaltige Lösungen haben Anleger die Möglichkeit, die Risiken in Bezug auf E, S und G in ihren Portfolios deutlich zu reduzieren.

Wer jetzt überlegt in ETFs zu investieren, sollte welche Themen auf jeden Fall berücksichtigen?

Die politische Debatte ist momentan vor allem auf die Säule E von ESG fokussiert. Bewegungen, die aus der Gesellschaft heraus entstanden sind, wie etwa Fridays for Future, belegen auch, dass das Thema Umwelt ein zentrales Thema unserer Zeit ist.

Das ist einer von mehreren Gründen für den Erfolg von Nachhaltigkeits-ETFs, und vor allem derjenigen ETFs mit einem verstärkten Fokus auf die Säule E respektive der Verringerung des CO2- Ausstoßes.

Aus meiner Sicht ist es allerdings wichtig, dass sich jeder Anleger selbst überlegt, welche Aspekte ihm beziehungsweise ihr wichtig sind, auf welche Bereiche sich das Produkt fokussieren sollte und welche Kriterien es abdecken muss. Im nächsten Schritt kann der Anleger dann schauen, welches Produkt oder welcher Ansatz seinen Anforderungen am ehesten gerecht wird. Ich denke, wir bei UBS Asset Management offerieren in diesem Bereich ein sehr breites Angebot an ETFs, mit denen Anleger die verschiedenen Facetten von Nachhaltigkeit in ihren Portfolios berücksichtigen können.

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Bildquelle: Shutterstock (ETF SRI Benchmarks) und iStock (OTR Q2 2021 Microsite)

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