Sind grüne ETFs nachhaltig?

ETFs mit nachhaltigen Vorzeichen versprechen Investments, die den Klimaschutz propagieren. Wie sind sie einzuschätzen?

Wie grün sind nachhaltige ETFs wirklich?

Nachhaltigkeit ist das Thema des 21. Jahrhunderts! Da ist es nicht verwunderlich, dass auch die Finanzbranche von diesem Trend profitieren möchte. So treten seit einiger Zeit nachhaltige oder “grüne” ETFs (Exchange Traded Funds oder Indexfonds) in den Fokus, die sich steigender Beliebtheit erfreuen. Die Anleger versprechen sich davon ein ökologisches Investment, das gleichzeitig eine stabile Rendite erwirtschaftet. 

Allerdings halten die meisten Anlagefonds nicht das, was sie vorgeben. Experten vermuten die Ursachen in der Tatsache, dass “Nachhaltigkeit” ein unscharfer und mehrdeutiger Begriff ist, der von verschiedenen Standpunkten aus unterschiedlich interpretiert werden kann. Das leiste Tendenzen des “Greenwashings” Vorschub. 

Investments in “grüne” Einzelfirmen sind “nachhaltigen ETFs vorzuziehen! – Bild: unsplash Tyler Casey

Was ist ein ETF?

Ein ETF bildet einen bestimmten Aktienindex ab, mit dem Ziel, durch eine breite Streuung die Risiken einer Geldanlage zu minimieren. Anleger profitieren dabei ohne großen Arbeitsaufwand. 

So erzielte z. B. der DAX seit 2010 im Schnitt eine jährliche Rendite von knapp 8 %. Wer also in einen DAX-basierten ETF über den gleichen Zeitraum investiert war, konnte dieselbe Gewinnmarge einstreichen. Die Funktionsweise von ETF’s erklärt auf Trading-fuer-Anfaenger.de explizit der Experte Andre Witzel. 

Was ist Nachhaltigkeit?

Die moderne Definition des Begriffes Nachhaltigkeit geht auf den Brundtland-Report der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung von 1987 zurück. Das Papier mit dem eigentlichen Titel “Unsere gemeinsame Zukunft” wurde nach der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland benannt, die den Vorsitz der Kommission innehatte.

Auch die “Agenda 21”, die 1992 auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro verabschiedet wurde, greift Nachhaltigkeit als vorrangiges Prinzip auf.

Zum ersten Mal wurden dabei neben zentralen Punkten der weltweiten Bekämpfung der Armut und des Hungers Maßnahmen besprochen, die die Umweltproblematik betreffen. Darunter fallen komplexe Themengebiete wie die Erhaltung der biologischen Vielfalt, der Schutz der Erdatmosphäre und der Ozeane sowie der Umgang mit giftigen Chemikalien.

Die Bewegung Fridays for Future von Greta Thunberg beruft sich direkt auf diese Werte.

Wie funktioniert ein nachhaltiger ETF?

In der Theorie umfasst ein grüner ETF nur Unternehmen, die nachhaltige Standards erfüllen. In vielen Fonds dieser Art werden etwa Unternehmen der Erdölindustrie, der Waffenlobby oder Tabakproduzenten ausgeschlossen. Die verbleibenden Unternehmen werden auf die sogenannten ESG-Kriterien abgeklopft. ESG ist ein Kürzel für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Die Vorgaben umfassen 35 Key-Issues (Hauptfaktoren), nach denen die Firmen in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit klassifiziert werden.

Wie entsteht ein nachhaltiger ETF?

Bei der Entwicklung nachhaltiger ETFs kommen in der Regel herkömmliche Indizes zur Anwendung, bei denen nicht nachhaltige Branchen und Unternehmen herausfallen. Ein nachhaltiger ETF ist also derzeit nichts weiter als eine reduzierte Ausgabe eines gewöhnlichen ETFs.

Das Auswahlverfahren dazu ist fragwürdig, wie am Beispiel des MSCI World Index zu beobachten ist: Das Management wollte seinem Index ein grünes Image verpassen und gab den MSCI World SRI Index heraus. SRI steht dabei für Socially Responsible Investing (Sozialverträgliche Investments). Drei Viertel der Unternehmen wurden im Vergleich zum herkömmlichen MSCI entfernt. Das Auswahlverfahren beruft sich auf das ESG-Rating. So wurden z. B. Nike, BMW und General Motors aussortiert, Yamaha und Adidas dagegen blieben dem Fonds erhalten.

Die Realitätsferne nachhaltiger ETFs

Dieses Phänomen wird mit der Dehnbarkeit des Begriffes Nachhaltigkeit erklärt. Jeder Mensch interpretiert Nachhaltigkeit auf seine eigene Weise. Im Resultat lässt sich Nachhaltigkeit nicht einheitlich definieren, geschweige denn auf einzelne Unternehmen herunterbrechen.

Ein Beispiel erläutert dies anschaulich. So schließen einige Anbieter Unternehmen aus, deren Gewinne auf Alkohol oder Tabak beruhen. Viele Menschen treten zwar rigoros für den Klimaschutz ein, sind aber trotzdem Raucher und trinken ihr tägliches Feierabendbier. Es scheint so, dass viele Herausgeber von grünen ETFs Nachhaltigkeit mit Ethik, Moral und Gesundheitsbewusstsein verwechseln.

Fazit

Wer beim Investment auf eine nachhaltige Geldanlage ohne Kompromisse Wert legt, für den sind grüne ETFs bisher keine zufriedenstellende Lösung. Zu oft versteifen sich die Herausgeber auf einzelne Merkmale des vielschichtigen Nachhaltigkeitskonzepts. Dabei werden bei Weitem nicht alle Vorgaben berücksichtigt.

Die Namenszusätze ESG und SRI sind nicht verlässlich und basieren in der Regel auf dem Wunsch nach Greenwashing. So bleibt für umweltbewusste Anleger als Alternative derzeit nur ein Investment in nachhaltige Einzelaktien.

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