ESG-Ratings, Impact Investments und Green Washing, die Commerz Real im Interview

Tobias Huzarski, Head of Impact Investment, Commerz Real

Wir haben Tobias Huzarski, Head of Impact Investment bei der Commerz Real zu den Themen ESG-Ratings, Impact Investments und Greenwashing befragt

INTERVIEW

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Die Commerz Real AG ist der Vermögensverwalter für Sachwertinvestments im Verbund des Commerzbank-Konzerns. Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit?

Die Commerz Real ist bereits seit Jahren ein global führender Asset-Manager sowohl für Immobilien als auch Renewables. Vor allem im Segment der „Real Assets“ ist das Thema Nachhaltigkeit von großer Bedeutung. Hierbei spielen sowohl unsere gesellschaftliche Verantwortung als auch wirtschaftliche Realitäten eine Rolle – und gehen Hand in Hand. Fakt ist: Es gibt ein grundlegendes Bedürfnis sowohl von Privatanlegern als auch von institutionellen Investoren, Kapital renditeorientiert und ökologisch wirksam einzusetzen.

Unsere Nachhaltigkeitsstrategie besteht prinzipiell aus drei Punkten: 

  • Wir wollen die CO2-Emissionen unserer hausInvest-Immobilien kontinuierlich um etwa 70 Prozent reduzieren. 
  • Wir beleuchten unsere Lieferketten für Solarmodule auf Konformität mit Menschenrechten bereits in der Herstellung.
  • Wir setzen Innovationen und Technologien gezielt ein, um unsere Nachhaltigkeitsperformance zu erfassen und auszusteuern. Zum Beispiel nutzen wir mit dem Madaster eine digitale Datenbank, um den Rohstoffverbrauch beim Bau von Immobilien zu minimieren und das Recycling von Baustoffen voranzutreiben.

Diese Aspekte sind keine strategische oder operative Kehrtwende, im Gegenteil können wir auf zum Teil seit vielen Jahren und Jahrzehnten bestehenden Prinzipien aufsetzen und diese weiterentwickeln. 

Oftmals nehmen wir dabei auch die Rolle eines Pioniers ein, zum Beispiel mit dem klimaVest, unserem ersten Impact-Fonds für Privatinvestoren.

Wie wichtig sind Ihnen die sogenannten ESG-Ratings, bei denen Sie zuletzt gut abgeschnitten haben?


Die Spitzen-Ratings sind für unser Team eine Bestätigung unseres täglichen Engagements, die uns sehr freut. Aber natürlich sind sie nicht der eigentliche Zweck unseres nachhaltigen Denkens und Handelns. Wichtig für uns ist die Substanz, nicht das Etikett, und die besteht in konkreter Umsetzung und messbaren Erfolgen. Wir sind stolz auf die erreichten realen Fortschritte, ruhen uns hierauf aber keineswegs aus. Es ist schön, dass Ratingagenturen das auch so sehen.

Was verstehen Sie unter Impact Investments?

Impact Investments sind nachhaltige Geldanlagen mit dem Ziel, finanzielle Rendite und konkrete gesellschaftliche oder ökologische Wirkung zu vereinen. Um diese gezielte Absicht der positiven Wirkung umzusetzen, spielen drei Bausteine eine Rolle – Realitätsbezug, Messbarkeit und Minimumstandards: Erstens sollte es um relevante und realitätsnahe Herausforderungen und Ziele gehen, beispielsweise der Abschwächung des Klimawandels. Zweitens müssen die gesetzten Ziele konkret sein, sonst lässt sich der Impact-Erfolg nicht nachvollziehen. Und drittens darf bestimmten Minimumstandards in Bezug auf andere Nachhaltigkeitsziele nicht signifikant geschadet werden, man spricht hier auch von „do no significant harm“, kurz DNSH, beispielsweise auf ökologische Ziele wie Biodiversität oder Kreislaufwirtschaft. Vereinfacht gesagt: Impact Investments wollen einen Unterschied machen, indem sie konkrete Projekte und zukunftsfähige Lösungen finanzieren und den jeweiligen Wirkungsbeitrag nachvollziehbar machen.

Die Frage müssen wir Ihnen stellen: Zuletzt stritten Sie sich vor Gericht mit Verbraucherschützern über Aussagen zur Klimaschutzwirkung Ihrer Anlagen. Können Sie den Fall noch einmal aus Ihrer Sicht schildern und auch erklären, weshalb Ihre Werbung an dieser Stelle keine Irreführung war bzw. hier kein Greenwashing betrieben wird?

Zu diesem Prozess hat sich die Commerz Real an anderer Stelle bereits ausführlich geäußert. Ich möchte hier nur drei Aspekte aufgreifen. Zum einen wurde die substanzielle und positive ökologische Wirkung selbst, die erneuerbare Energien ja bekanntlich und unumstritten in Form von CO2-Vermeidung erzielen, korrekterweise durch das Urteil nicht in Frage gestellt, sondern bestätigt. Erneuerbare Energien leisten einen positiven Beitrag zum Klimaschutz, soviel ist unstrittig. 

Zum zweiten möchte ich betonen, dass die EU-Regulatorik von Impact-Fonds explizit eine konkrete Zielsetzung verlangt – sprich, Impact-Fonds müssen sich per Gesetzgebung klare ökologische oder soziale Ziele setzen und diese entsprechend umsetzen. Die Regulatorik verlangt auch, dass über diese Zielsetzung transparent berichtet wird. Genau diesen Weg sind wir gegangen und halten dementsprechend auch weiterhin an transparenter Berichterstattung fest. 

Zuletzt würde ich noch anmerken, dass ich mir persönlich einen kollaborativeren und konstruktiveren Ansatz für die gemeinsame Bewältigung unserer gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen wünsche. Wir investieren in konkrete Wind- und Solarprojekte zur Erzeugung von Ökostrom und berücksichtigen gleichzeitig Mindeststandards für Natur und Menschen in der gesamten Wirkungskette. Authentischer lassen sich unsere Impact-Ziele wohl kaum umsetzen, hierbei sind wir für konstruktiven Dialog natürlich offen. 

Welche Strategie fahren Sie mit Ihrem Klimavest Portfolio?

Der klimaVest ist ein Fonds, der europaweit Direktinvestments in Assets tätigt, welche Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen. Es handelt sich damit nicht um ein mittelbar investierendes Fund-of-Fund-Produkt oder ein Wertpapier-Investment. Der Fonds hält Windräder, PV-Anlagen und ähnliche Assets selbst im Bestand und erzielt aus der Vermarktung des daraus erzeugten Stroms eine möglichst stabile und planbare Rendite für die Anleger. klimaVest bündelt Privatanlegerkapital und erwirbt damit direkt von Projektentwicklern neu entstandene Erneuerbare-Energie-Assets oder finanziert Projektentwicklungen, wodurch die Entwickler die nötige Liquidität für die Realisierung neuer Projekte erhalten. Nur so lässt sich der nötige Ausbau der grün erzeugten Energiemenge weltweit erreichen. Dabei verfolgt der Fonds zwei Anlageziele parallel: zum einen Werterhalt und ein möglichst stabiler und auskömmlicher Cashflow für unsere Anleger, zum anderen die beabsichtigte Impact-Wirkung: die Einsparung von möglichst viel CO2-Emissionen durch den Ausbau von erneuerbaren Energien. Der klimaVest umfasst ein sehr breit und mehrdimensional diversifiziertes Portfolio über Regionen, Erzeugungsformen und Vermarktungsmodelle hinweg.

Wie wollen Sie zukünftig noch transparenter agieren und im Sinne der Taxonomie arbeiten?

Transparenz hinsichtlich des Risikos, der Rendite und der Nachhaltigkeit gegenüber den Anlegern hat für uns grundsätzlich Priorität. Danach haben wir auch sämtliche Vertriebsmaterialien und Berichterstattung zum klimaVest ausgerichtet – von der Webseite über die Jahresberichte und monatlichen Factsheets bis zum Fonds-Newsletter. Bei unseren Fonds, die nach Artikel 8 wie der hausInvest oder gar nach Artikel 9 wie der klimaVest eingestuft sind, sind wir auch regulatorisch zu absoluter Transparenz verpflichtet – das ist für uns ohnehin eine Selbstverständlichkeit, denn Substanz und Transparenz gehen Hand in Hand. Was die Taxonomie betrifft: Auch hier werden wir regelmäßig prüfen und kommunizieren, wie wir zum Beispiel mit dem hausInvest die Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, nämlich durch eine systematische Reduktion der CO2-Emissionen im Bestandsportfolio. Das werden wir in Zukunft noch ausweiten.

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