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Die BÖAG Börsen AG und das Thema Nachhaltigkeit

Ein Interview mit Martin Braun von der BÖRSEN AG zum Thema Nachhaltigkeit an den Börsen Düsseldorf, Hamburg und Hannover.

BOERSE-N: Stellen Sie uns bitte einmal kurz die BÖAG Börsen AG vor.

MARTIN BRAUN: Die BÖAG Börsen AG ist die Trägergesellschaft der Börsen Düsseldorf, Hamburg und Hannover sowie der elektronischen Handelssysteme Quotrix und LS Exchange. Gehandelt werden an den verschiedenen Plätzen mehrere zehntausend Wertpapiere, insbesondere Aktien, Anleihen, Investmentfonds, ETFs und Zertifikate. Zur BÖAG Börsen AG gehört außerdem die Fondsbörse Deutschland, der führende Erst- und Zweitmarkt für geschlossene Fonds.

Martin Braun (BÖAG Börsen AG)

Wie ist die BÖAG Börsen AG in Sachen Nachhaltigkeit aufgestellt bzw. welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit als Börse?

Die BÖAG Börsen AG hat sich bereits 2007 mit der Börse Hannover im Bereich Nachhaltigkeit positioniert. In diesem Jahr wurde in Zusammenarbeit mit ISS ESG (ehemals oekom research) der Global Challenges Index aufgelegt. Seit diesem Zeitpunkt wurde die Börse Hannover zunehmend als Kompetenzzentrum für nachhaltige Finanzprodukte aufgebaut. An den Handelsplätzen der BÖAG Börsen AG werden heute zahlreiche Nachhaltigkeitsfonds, ETFs, Green Bonds und nachhaltige Aktien gehandelt. Der German Gender Index der Börse Hannover, aufgelegt im April 2015, ist ein weiteres Beispiel für die Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit.

Was macht der Global Challenges Index (GCX)?

Der GCX umfasst 50 Unternehmen, die substanzielle und richtungsweisende Beiträge zur Bewältigung der großen globalen Herausforderungen – die Bekämpfung der Ursachen und Folgen des Klimawandels, die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit Trinkwasser, ein nachhaltiger Umgang mit Wäldern, der Erhalt der Artenvielfalt, der Umgang mit der Bevölkerungsentwicklung, die Bekämpfung der Armut sowie die Etablierung von Governance- Strukturen – leisten. Die Aufnahme in den Index würdigt die Aktivitäten der Unternehmen in diesen globalen Handlungsfeldern. Ein Beirat, dem Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, der deutschen UNESCO-Kommission, der ILO sowie vom WWF angehören, hat die beiden Initiatoren bei der Konzeption und Weiterentwicklung des Index beraten und begleitet den Index aktiv.- Mehrere Lizenznehmer nutzen den GCX als Basis für Ihre Investmentfonds. Das Anlagevolumen in Produkte auf den GCX übersteigt bereits ein Volumen von 700 Mio. Euro.

Nachhaltige Aktienfonds sollen laut einer Scope Analyse besser durch die Corona-Krise kommen. Was glauben Sie, warum ist das so?

Das liegt im Wesentlichen an der Zusammensetzung dieser Aktienfonds. Unter dem durch Corona ausgelösten Börsencrash haben vor allem klassische Energie- und Rohstoffwerte gelitten, aber auch zyklische Aktien wie z. B. in den Bereichen Automobil, Zulieferer oder Chemie. Genau in diesen Branchen sind nachhaltige Fonds gar nicht oder stark untergewichtet. Übergewichtet sind sie dagegen in weniger zyklischen Aktien aus den Bereichen erneuerbare Energien, Gesundheit und Basiskonsumgüter, die im Corona bedingten Crash glimpflicher davongekommen sind.

Wie können Anleger in Deutschland nachhaltige Aktien finden und bei der Recherche vorgehen?

Es gibt diverse Informations- und Finanzportale und Börsen wie uns, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Eine effiziente Vorgehensweise besteht aber auch darin, sich die einzelnen Aktien von nachhaltigen Aktienindizes anzusehen. Wir veröffentlichen zum Beispiel für den Global Challenges Index ein Factbook, das nicht nur die Research Methodik des Index beschreibt, sondern auch Informationen zu jedem der 50 im GCX enthaltenen Unternehmen liefert. Belastbare und vor allem unabhängige Informationen finden sich zudem bei den Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie Morningstar, Scope oder FNG.

Nachhaltige Fonds werden oftmals auch kritisch beäugt, zu Recht?

Noch vor 5 bis 10 Jahren war ein Kritikpunkt im Sinne eines Vorurteils, dass nachhaltige Produkte angeblich einen Renditenachteil hätten. Dieses Vorurteil haben wir mit dem GCX vollständig widerlegt, die Performance seit Auflage ist deutlich besser als bei vergleichbaren klassischen Indizes, wie z. B. DAX, EuroStoxx oder MSCI World. Aber auch andere Nachhaltigkeits-Indizes performen überwiegend besser als klassische Indizes. – Ein aktueller Kritikpunkt ist das Thema Greenwashing. Der aktuelle Trend hin zu nachhaltigen Anlageprodukten führt auch dazu, dass einzelne Produktanbieter es nicht so genau nehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit. Da wird dann auf einmal wieder in Aktien investiert, die bei einer scharfen ESG-Analyse gleich durch das Raster fallen würden. Leider konnte sich bis heute kein einheitlicher, verbindlicher Standard etablieren, was unter Nachhaltigkeit eindeutig zu verstehen ist und was nicht. Hier besteht auf nationaler und internationaler Ebene noch Handlungsbedarf.

Was würden Sie sich als Börse wünschen, wie Börse nachhaltiger stattfinden könnte?

Als Börse sind wir ja der klassische Handelsplatz für Eigen- und Fremdkapital in Form von Aktien und Anleihen, die bei uns gehandelt werden. Zukünftig sollte das Augenmerk verstärkt auf nachhaltige Aktien und Anleihen, aber auch auf nachhaltige Fonds liegen, denn damit unterstützen wir unmittelbar die Unternehmen, die sich nachhaltig positionieren. Die Anfänge einer nachhaltigen Börse sind ja bereits gemacht, da viele Produkte bereits bei uns gehandelt werden. Aber es gibt trotzdem noch viel zu tun, denn wir sind längst noch nicht am Ziel angekommen.

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