Ethisch nachhaltige Geldanlage mit der Bank für Orden und Mission

Die Bank für Orden und Mission ist eine Initiative auf Anregung der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn mit der vr bank Untertaunus eG in Idstein. Ein Interview zu den Themen Ethik und Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft mit der Betriebswirtin (VWA) und Individualkundenberaterin Sandra Becker.

BOERSE-N: Frau Becker, wofür steht die Bank für Orden und Mission?

SANDRA BECKER: Die Bank für Orden und Mission ist eine Initiative auf Anregung der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn mit der vr bank Untertaunus eG in Idstein. Sie wurde im Jahr 2003 gegründet. Die Grundidee dabei ist, Geldanlagen nach streng ethisch orientierten Grundsätzen, nach ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Kriterien zu tätigen. Daraus entstehende bankübliche Gewinne aus den Geldanlagegeschäften werden dann in Hilfsprojekte des Franziskanerordens zugunsten Not leidender Menschen investiert.

Für welche Art Kunde/in sind Sie die richtige Bank?

Die Bank für Orden und Mission bietet sowohl für Privatkunden, als auch für institutionelle Kunden Finanzdienstleistungen sowie die gesamte Palette ethisch nachhaltiger Geldanlagen an. Dazu zählen Bankeinlagen, Fonds, Mikrofinanzanlagen, Einzeltitel unter Berücksichtigung unserer ökologischen, sozialen und kulturellen Kriterien, Vermögensverwaltungen (insbesondere auch für Stiftungen) und Versicherungslösungen.

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit?

Der Umgang mit Geld erfordert in ganz besonderem Maße verantwortliches Handeln. Bereits seit Beginn der Gründung der Bank für Orden und Mission erfolgen alle Geldanlagen sowie die bankeigenen Gegenanlagen unter Berücksichtigung der definierten ethischen Grundsätze. Die Ratingagentur ISS ESG analysiert Unternehmen und Länder entsprechend unserer Kriteriologie.

Nachhaltigkeit ist für uns die Basis bei der Auswahl der individuellen Anlagestrategien. Hierbei ist es möglich, neben unseren eigenen definierten Nachhaltigkeitsgrundsätzen, auch kundenindividuelle ethische Kriterien zu berücksichtigen.

Wie definieren Sie ethische Geldanlage?

Die Bank für Orden und Mission verpflichtet sich, sämtliche Geldanlagen nach strengen ethischen Grundsätzen, die vom Beirat der Bank für Orden und Mission festgelegt werden und sich am Gedankengut des Franziskanerordens orientieren, vorzunehmen.

Die Kriterien für die Geldanlagen der Bank berücksichtigen soziale, kulturelle und Umweltaspekte mit einem hohen Nachhaltigkeitsgrad. Die Anlagekriterien sind klar definiert und die Anlageprodukte werden einem regelmäßigen Rating basierend auf dem Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden unterzogen. Dieser Leitfaden berücksichtigt Sozial- und Kulturverträglichkeit sowie ökologische Aspekte. Hierzu zählen beispielsweise Maßnahmen zur Minimierung des Umweltrisikos, Humanisierung der Arbeitsbedingungen und vieles mehr. Entsprechend dem “best-in-class”-Ansatz wird eine hierarchische Ordnung innerhalb einer zu bewertenden Branche erstellt. Weiterhin führen eine Vielzahl von definierten Kriterien zum Ausschluss eines Unternehmens bzw. eines Landes bei einer Geldanlage. Beispielsweise sind hier Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Tierversuche, Arbeitsrechte, Rüstungsgüter, etc. zu nennen.

Was hat Ihre Bank aus der Finanzkrise 2008 für Schlüsse gezogen?

Die Bank für Orden und Mission gehört als unselbstständige Zweigniederlassung der vr bank Untertaunus eG zum genossenschaftlichen Bankensektor, welcher sich auch in der Finanzkrise als zuverlässiger, solider Partner seiner Kunden bewiesen hat. Eine sorgfältige Auswahl sowie die breite Streuung der Anlagen in unseren Kundenportfolios waren auch vor 2008 für uns selbstverständlich. Ebenso ist uns die persönliche Kommunikation nun in digitaler Form oder telefonisch mit unseren Kunden insbesondere in Krisenzeiten wichtig.

Die Coronakrise könnte wirtschaftlich betrachtet größere Folgen für private und institutionelle Anleger haben, als die Bankenkrise 2008. In welcher Form werden Sie sich auf die neue Situation im Hinblick auf die Liquidität Ihrer Kunden und die Zinspolitik der Zentralbank einstellen?

Wir haben bereits in den vergangenen Wochen mit unseren Kunden den Kontakt gesucht und die Geldanlagen hinsichtlich Anlagestruktur und Liquidität gegebenenfalls angepasst. Aktuell können auch wir noch keine abschließende Aussage zu den Folgen der Coronakrise treffen. Umso wichtiger ist uns eine intensive, regelmäßige Kommunikation mit unseren Anlegern.

Die Portfolios sind bereits mit Blick auf die anhaltende Niedrigzinspolitik entsprechend ausgerichtet. Sobald sich wesentliche Veränderungen an den Märkten ergeben, beraten wir unsere Kunden individuell.

Welchen Stellenwert hat für Sie digitales Banking und wie sieht die moderne Form der Bankgeschäfte bei Ihnen aus?

Das digitale Banking hat aufgrund unserer überregionalen Geschäftsausrichtung einen hohen Stellenwert. Es bietet unseren Kunden bereits seit vielen Jahren eine bequeme und nachhaltige Möglichkeit alle Bankgeschäfte, ob im Bereich Zahlungsverkehr oder im Depotgeschäft, eigenständig abzuwickeln. Selbstverständlich bieten wir auch digitale Beratungsgespräche per Video an und sind telefonisch, persönlich für unsere Kunden erreichbar. Der Trend Digitalisierung, welcher durch die Coronakrise sicherlich deutlich vorangetrieben wird, wird sich auch in den kommenden Jahren kontinuierlich weiterentwickeln. Wir sind mit unserer genossenschaftlichen Vernetzung in diesem Bereich sehr gut aufgestellt und können unseren Kunden sichere, moderne und digitale Lösungen anbieten.

Wie definieren Sie die Bank von morgen?

Die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden eine stetig wachsende Bedeutung haben. Das Angebot für nachhaltige Anlagen wird weiter zunehmen. Für uns ist es wichtig, das Thema Nachhaltigkeit nicht als kurzfristigen Trend zu sehen, welcher durch die zukünftige Nachhaltigkeitsabfrage in allen Banken einen höheren Stellenwert einnehmen wird, sondern als Basis für unsere Geschäftsbeziehungen mit unseren Kunden. Die Bank für Orden und Mission zeichnet eine langfristige Expertise im Bereich der ethischen Geldanlagen aus.

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Marcus Noack
Marcus Noack
Marcus Noack studierte internationale BWL und International Business Communication und gründete neben seinem Studium sein erstes Startup 2006. Heute ist Marcus Noack Serial-Entrepreneur und seit mehr als 10 Jahren in der Nachhaltigkeitsszene aktiv. Die Nachhaltigkeitsportale LifeVERDE, JOBVERDE oder Gruene-Startups.de wurden von ihm mit entwickelt.
http://www.boerse-n.de

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